Samstag, 20. Juni 2009

Das Kloster Jumièges an der Seine

Eine Ruine als Magnet für Touristen und Kulturbegeisterte? Diese stattlichen Überreste der einst stolzen Abtei Jumièges in Seinetal Nahe Rouen in der Normandie (ca. 50km von unserem Ferienhaus Normandie) sind sicherlich die beeindruckensten und schönsten Kirchenruinen Frankreichs. Verwunschen und verlassen vor über 200 Jahren während der französichen Revolution, sieht und spürt man heute immer noch die einstige majestätische Großartigkeit des Ensembles. Trotz der gigantischen Ausmaße vermittelt Jumièges eine Ruhe und meditative Ausstrahlung die viele Besucher begeistert und fesselt.



Die Geschichte der Gemäuer geht bis auf das Jahr 654 zurück - an dieser Stelle wurde die Kapelle "St.Philibert" gegründet, jedoch später von den Wikingern zerstört und von Wilhelm Langschwert als Benediktinabtei wieder errichtet. Das Kloster wuchs in seiner Bedeutung schenll und so wurden zwischen 1040 und 1066 die gebäude im präromanischen und romanischen Stil ihren heutigen Ausmaßen erweitert und von Wilhelm der Eroberer (der normannische Erorberer Englands) persönlich eingeweiht.


Noch über Jahrhunderte beherrschte das Kloster die wirtschaftliche und vor allem spirituelle Entwicklung der Normandie. Mit der Revolution 1789 und der Säkularisation verlor auch Jumièges seinen Einfluss: die letzten Benediktiner verliessen 1793 die Abtei.

Der Komplex wird auf der Westseite durch seine beiden 46m hohen
Fassadentürme dominiert, an die sich die Abteikirche Notre Dame und die Klosterkirche St Pierre anschliessen. Komplettiert werden die Klostergebäude durch zahlreiche Neben- und Wirtschaftsgebäude. Weitere Gebäude sind noch in ihren Grundrissen gut auszumachen, wie der Chor und die Apsis.


Jumièges kann allen denjenigen empfohlen werden, die Kultur und Kirchengeschichte suchen und eine Oase des Friedens finden möchten.

Jumièges ist ca 50 km von unserem Ferienhaus (Offranville - Dieppe) und ca.25km von Rouen entfernt. (Vallée de la Seine)

Copyright Maison Beaurevoir FL;OS

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Sonntag, 15. März 2009

Imbleville, das verwunschene Schloss der Saâne



Wer von Quiberville und der Alabasterküste kommend den kleinen Fluß Saâne stromauswärts Richtung Süden fährt, kommt über eine Vielzahl pittoresker Dörfer schließlich am Wasserschloß Imbleville vorbei. Hier befindet sich ein versteckter Ort der Ruhe und Schönheit, den die Einheimischen der Normandie "la perle de la Saâne" nennen.



Eine Vielzahl von Kanälen, Brunnen und Wasserspielen verbreiten einen meditativen Klang, der grosszügige Park ist liebevoll gepflegt, und im Burggraben des aus dem 15. Jahrhundert stammenden Gebäudes schwimmen majestätisch heimische Schwäne und Stockenten. An Wochenenden ist es Besuchern gestattet den ca. 3 Hektar großen Park zu besichtigen - und Alt wie Jung fühlen sich märchenhaft in eine andere Zeit zurückversetzt.


Imbleville ist ca 15km von Offranville und 180km von Paris entfernt.

Copyright F.L; H.Pfeifer

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Dienstag, 17. Februar 2009

Le Havre: Utopie moderner Architektur


Die große Industrie- und Hafenstadt an der Mündung der Seine (ca. 60 km von unserem Ferienhaus entfernt) hat bei Touristen wie auch bei den Franzosen keinen schillernden Ruf – und das völlig zu Unrecht. Im Verhältnis zu anderen altehrwürdigen Städten Frankreichs mit bis zur Römerzeit zurückreichenden Wurzeln, ist Le Havre noch eine relativ junge und moderne Stadt, die dennoch auf eine sehr wechselhafte Geschichte zurückblicken kann.

Gegründet im 14. Jahrhundert und unter Richelieu im 17. Jahrhundert zur Garnisonsstadt ausgebaut, gewinnt die Stadt vor allem aufgrund des Handels mit der jungen Republik USA an Bedeutung und Reichtum. Das Jahr 1944 markiert jedoch einen drastischen Wendepunkt in der Geschichte: aufgrund der strategischen Bedeutung unter der nationalsozialistischen Besatzung stand Le Havre immer wieder unter massiven Beschuss, so dass die Stadt schließlich zu 85% in Schutt und Asche gelegt war.

Das Architekturbüro Auguste Perret wurde damit beauftragt, einen Masterplan für die Stadt zu erstellen. Kurz nach Kriegsende begann man mit dem Wiederaufbau im Geiste Le Corbusiers. Die enormen Schuttberge wurden dabei auf originelle Weise zu Beton verarbeitet: durch die spezielle Mischung und Einfärbung entstand eine einzigartige Struktur und Oberflächengestaltung – eine völlig neue Betonästhetik. Straßengestaltung und Gebäudeformationen des neuen Zentrums erinnern teilweise an die Interpretationen des sozialistischen Realismus (hier insbesondere die ehemaligen „Arbeiterpaläste“ der Karl-Marx-Allee in Ost-Berlin) oder an den Modernismus von Oscar Niemeyer. Der weltberühmte Architekt (u.a. plante er die südamerikanische Hauptstadt Brasilia) hat mit dem Kulturzentrum‚Le Volcan’ auch in Le Havre seine Spuren hinterlassen.

Diese ‚Neugründung’ Le Havres war in der Bevölkerung heftig umstritten – viele Franzosen sprachen von einer zweiten Zerstörung der Stadt und konnten sich mit der modernen Architektur nicht anfreunden. Doch die (zumeist kommunistischen) Stadtväter haben sich durchgesetzt – und damit Le Havre zu einer einzigartigen, modernen und durchaus wieder attraktiven Großstadt werden lassen.


LE HAVRE - "Je vis ailleurs" Die offizielle Werbung für die Stadt (Fr)


Mit der Ernennung zum UNESCO Weltkulturerbe im Juli 2005 wurde so der geschundenen Stadt doch noch die gebührende Ehre zuteil. Besonders zu empfehlen ist ein Besuch im Museum André Malraux – hier befindet sich die nach dem Musée d’Orsay in Paris größte und bedeutsamste Sammlung impressionistischer Malerei. Unter den vielen architektonischen Meisterleistungen ist neben dem „Vulkan“ Oscar Niemeyers vor allem die Kirche Saint-Joseph zu nennen: ein lichtdurchfluteter, moderner Tempel mit einem einhundert Meter hohen, markanten 8-eckigen Turm, welcher an die Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges mahnend erinnert.

Auch wenn es sich nicht mit pittoresken Örtchen der Normandie wie Honfleur oder Fécamp messen kann und will, hat Le Havre einen ganz besonderen Flair, den man als Besucher der Normandie nicht verpassen sollte. Und an der neu gestalteten Strandpromenade kann man ganz vorzüglich Essen & Trinken – und den großen Ozeanriesen auf ihrer Reise über die Meere nachsehen...

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